0.1 KIOSK09-PROJEKT
Mit Februar 2010 hat der KIOSK09 seine fast einjährige, erfolgreiche Ausstellungsreihe beendet. Durch monetäre wie auch aus persönlichem Support bestehende Förderungen des Projektes war es dem KIOSK09-Team unter der Leitung von Naomi T. Salmon möglich, 8 internationalen Künstlern eine Basis für künstlerische Ansätze und Ideen innerhalb des KIOSK09-Konzeptes zu geben und damit den Kiosk am Sophienstiftsplatz als Ausstellungsplattform und Freiluftgalerie zu erhalten und etablieren.
Dabei zeigte sich stets eine überwältigende Resonanz und Nachfrage aus Presse, Interessenanfragen, wie auch in persönlichen Gesprächen mit Vernissagebesuchern und Passanten. Beteiligten Künstlern war die Möglichkeit einer Kommunikationsplattform gegeben, welche oft über die Ausstellungsdauer hinaus anhielt und eine Grundlage für professionelle Kontakte bot. Das KIOSK09-Team, zum Abschluss des Projektes bestehend aus einem festen Kern und jeweils im Semesterrhythmus wechselnden Teil von Studenten, konnte durch selbstständige Arbeit Erfahrungen im kuratorischen wie auch organisatorischen und administrativen Bereich sammeln.
Im Folgenden eine kurze Zusammenfassung des KIOSK09-Konzeptes sowie der Ausstellungen des KIOSK09.
„Wenn Künstler Kunst kuratieren“ lautete der ursprüngliche Titel des Projektes rund um Weimars einzig dauerhafte Freiluftgalerie. Von dieser Verknüpfung vom Umgang des Künstlers mit anderen Künstlern ausgehend, drehte sich alles um zeitgenössische Erscheinungen des ‚Aufeinander-Bezug-Nehmens’, der Wiederverwendung und des Aneignens. Dabei rotierte die Erscheinung der dazugehörigen Website je Ausstellung ebenso wie die angeeignete Namensgebung einer öffentlichen Institution. Das veränderte Ausmaß, die enorme Qualität und Quantität dieses Phänomens, welches wir im digitalen Zeitalter erreicht haben und sein Einfuß auf unser soziales Verhalten und unsere Wahrnehmung stand im Mittelpunkt. Im Oktober 2008 versammelte sich eine Gruppe von Kunst- und Gestaltungsstudenten der Bauhaus-Universität Weimar unter der Betreuung von Naomi T. Salmon, welche die neue Reihe konzeptionell und organisatorisch entwickelten und sie ein Jahr lang in die Tat umsetzten.“
Sponsoren und Unterstützung:
- Bauhaus09
- Bauhaus Universität Weimar
- Ehringsdorfer
- alle Kiosk Besucher, vor Ort und online
1 Deutscher Nationalkiosk
Benedikt Braun
“Tempel des Lichts”01.4.–14.04.2010
Den Auftakt zur neuen Ausstellungsreihe stellte dabei Benedikt Braun dar. Braun bespielte mit seinem Werk„Tempel des Lichts“ drei Wochen den Nationalkiosk am Sophienstiftplatz in Weimar. Als Person, Individuum wie auch Künstler überidentifzierte und multiplizierte er sich mit sich selbst und bot sein überhöhtes ICH in Form von diversen Produkten mit seinem Konterfei zum Ausverkauf an.
Der Künstler Benedikt Braun ist sich, neben diversen Ausstellungen und öffentlichen Performances, nicht zu schade, sein kreatives Potential auch für kommerzielle Zwecke zur Verfügung zu stellen, obwohl dies nicht immer im Sinne seines künstlerischen Werkes liegt. Dort drehen sich seine Gedanken mehr um Wahn, Freiheit, Revolution und eine bessere Welt. In diesem Zusammenhang gründete er 2007, den »Weltverbesserung e.V. – Verein zur Bewusstseinsschärfung für eine bessere Welt«. Als Anhänger der ›Pataphysik‹ [(frz. pataphysique) ein absurdistisches Philosophie- und Wissenschaftskonzept des französischen Schriftstellers Alfred Jarry], versteht Braun es allerdings diese Widersprüche zu einen: “Kunst muss gar nichts. Kunst kann alles sein. Im Idealfall tut sie schön weh.”.
Als Absolvent der Bauhaus-Universität Weimar in den Bereichen Visueller Kommunikation und Freier Kunst stellt sich Braun in Endlosschleife mit einer gehörigen Portion Selbstironie die ewig währende Frage nach “Weltverbesserung” und Authentität.
2 Galerie Eigenkiosk
Anke Hannemann
“im sinne von bezug nehmen - oder warum ich dich nicht lieben kann”22.04.–22-05.2009
Die Arbeit „im sinne von bezug nehmen – oder warum ich dich nicht lieben kann“ präsentierte den aus dem gewohnten Umfeld losgelösten Besitz, mit dem die Künstlerin Anke Hannemann täglich lebt. Die Offenbarung ihrer Habe stellt die Frage nach einer zugehörigen Relevanz für ihr persönliches Dasein und untersucht, inwiefern die Gegenstände ihres täglichen Gebrauchs austauschbar sein können. Als Aneignungsobjekt fungierte dabei dieGalerie Eigenheim und wurde durch den KIOSK09 zum Eigenkiosk erklärt.
3 StadtWerksKiosk
Anne Gierster
“Verkehrsführungskiosk”27.05.–03.07.2009
In Ihren Arbeiten beschäftigt sich Anna Gierster überwiegend mit Kontrollmechanismen – wobei die Mechanismen hier ganz bildlich verstanden werden müssen. Stets mit einem Augenzwinkern konstruiert sie „funktionstüchtige“ Geräte im Retro-Papp-Look, die uns Wahn und Witz unseres Sicherheits- und Kontrollbedürfnisses vor Augen führen und unsere Unterwürfgkeit gegenüber Maschinen persiflieren. Ihr Statement zur Ausstellungseinladung des Kiosk gestaltete sich wie folgt: „Der Sophienstiftsplatz samt der Ampelanlage Ecke Steubenstr./ Gropiusstr. ist wahrscheinlich einer der – verkehrsführungsmäßig – unglaublichsten Orte der gesamten Republik. Eine Ampel reiht sich hier an die nächste und stellt die Geduld eines jeden Verkehrsteilnehmers auf eine harte Probe.“ Im Kiosk installierte Anna Gierster eine vermeintliche Ampel-Schalt-Anlage. Zu horrenden Preisen konnte man sich dort etwas Zeit erkaufen. Zahlungskräftige Fußgänger konnten so das Warten auf die nächste Grünphase verkürzen und selbige dadurch verlängern. Ein Seitenhieb auf die tatsächlichen Ampelanlagen rund um den Sophienstiftsplatz, an denen man oft minutenlang auf die nächste Grünphase wartete, nur um während der lang ersehnten Ich-darf-die-Straße-überqueren-Phase festzustellen, dass es auch für einen flotten Menschen unmöglich ist, in der städtisch verordneten Zeitspanne tatsächlich über die Straße zu gelangen. Die Ausstellung um den Verkehrsführungskiosk wartete noch mit einer weiteren Überraschung auf. Das dabei approbierte Objekt, die “Stadtwerke” Weimars, wurde durch Passanten auf die kleine Freiluftgalerie aufmerksam und inszenierte zusammen mit dem Team des KIOSK09 eine Pressekonferenz sowie einen ausführlichen Bericht in der hauseigenen, vierteljährlich-erscheinenden Zeitschrift “Gute Bekannte”.
4 KoCA Inn
Urbandae
“14Tage/ 24h”08.07–21.07.2009
Eine der wohl größten Herausforderungen und gleichzeitig die bis lang wohl spannendsten Zusammenarbeit für das KIOSK09 - Team bildete die Kollaboration mit der Künstlergruppe “Urbandae”. Aus einer Reihe Künstler vor Ort und einer Gruppe brasilianischer Künstler, speziell für diesen Anlass eingeflogen, bestehend, formierte sich sehr schnell durch tägliche interaktive Projekte mit Weimarern eine Eigendynamik im Selbstlauf. KoCA Inn war ein Lebensraum, der eine Vielfalt an Möglichkeiten bot: ein Mini-Hotel, eine mobile Küche und eine Tauschbörse, ein Show-room, Lounge mit Tanzfälche, sowie ein Schwarzmarkt für interessante Fähigkeiten und (un)nützes Wissen, ein Konferenzraum und ein Spielsalon, ein Strand mit Spielplatz und Touristenbüro. Alles optimiert auf eine Fläche von 62 qm! Die improvisierte, prekäre, größtenteils wiederverwendete und niemals fertige Struktur des KoCA Inn machte den Kiosk und sein direktes Umfeld zu einem Dispositiv, die Konsumkultur, wie auch die Sicherheit und Vorhersehbarkeit des hiesigen öffentlichen Raumes zu diskutieren. Mit einem dichten Programm aus unterschiedlichsten Aktionen und durch spontane und organisierte Mithilfe der Öffentlichkeit wurde die Kiosk-Kreuzung zur offenen, informellen Plattform.